Blogparade #2: Mein Job – meine Welt

Wie ich bereits in der letzten Woche angekündigt habe, nehme ich an meiner ersten Blogparade teil, deren Grundlage das Buch „Ich liebe meinen Job! – Dachte ich jedenfalls“ von Alexandra Götze ist. Diese Blogparade dreht sich um die Fragen; was mag ich an meinen Job, bzw. wie bringe ich mich dazu, meinen Job wieder zu mögen – oder habe ich vielleicht sogar bereits innerlich gekündigt?


Wie ich zu meinem Beruf kam

 

Ich habe mit 17 Jahren die Schule mit einem Realschulabschluss verlassen. Mir ging es damals wie wahrscheinlich vielen anderen jungen Menschen auch – ich hatte noch so gar keinen Plan, was ich mal machen und mit meinem Leben anfangen möchte. In der Schule war ich immer sehr gut in Englisch und hatte auch viel Spaß daran, also dachte ich – klar, irgendwas mit Sprachen muss es sein. Somit habe ich mich dann dafür entschieden, eine schulische Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin zu machen. 

Ich habe aber dann doch relativ schnell gemerkt, dass dieser Weg doch nicht so das ist, was ich wirklich will. Und ich hatte auch voll keinen Bock, nochmal ein paar Jahre täglich zur Schule zu gehen und kein Geld zu verdienen. Nach einem halben Jahr habe ich diese Ausbildung deshalb dann abgebrochen. Was folgten waren Beratungsgespräche beim Arbeitsamt und vieeele Bewerbungen. Beim Arbeitsamt schlug man mir vor, eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten zu machen. Rechtsanwaltsfachangestellte hörte sich dann doch nach einer größeren Herausforderung und mehr Verantwortung an, als bei einer Sekretärin. Klang ganz interessant und so begann die Bewerbungsphase.

Nach einem halben Jahr, das ich dann etwas „entspannter“ verbrachte, begann ich dann ein einjähriges Praktikum in einer Kanzlei. Die Arbeit da hat mir viel Spaß gemacht, die Betriebsklima war super, so wusste ich dann: Ich werde Rechtsanwaltsfachangestellte und begann dann im Sommer 2007 eine entsprechende Ausbildung. Jetzt, fast 10 Jahre später arbeite ich noch in derselben Kanzlei und außerdem in einem Inkassobüro. Wie ihr euch jetzt bestimmt schon denken könnt; meine Spezialisierung liegt im Bereich Inkasso.


Wie geht es mir mit meinem Beruf?

 

Inkasso ist so eine Sache… Es ist mit vielen Vorurteilen und zum Teil auch mit sehr, ich sag mal; komischen Ansichten verbunden. Bei dem Thema „Inkasso“ denken die Leute oft an merkwürdige E-Mails, die mit ungerechtfertigten und nicht mal bestehenden Forderungen komischer Firmen ins E-Mail Postfach einlaufen. Oder sie denken an zwielichtige Typen, die mit einer Eisenstange vor der Haustür stehen. Ist natürlich alles völliger Quatsch. Wer Verträge abschließt und seinen Teil dabei nicht einhält, der muss nun einmal die Konsequenzen tragen, so ist das in einem Rechtsstaat und wäre es anders, würde hier alles im Chaos untergehen. An diesem Punkt setzt die Arbeit eines Rechtsanwalts an und – sofern es sich um reine Geldforderungen handelt – auch die Arbeit eines Inkassounternehmens. Schwarze Schafe gibt es immer und überall, aber das ist – auch bei Inkassounternehmen – nicht die Regel. Ich sorge mit meiner Arbeit also dafür, dass das Recht durchgesetzt wird.

Dieser Job ist insgesamt sehr oft ziemlich undankbar. Für die Schuldner sind wir die bösen Leute, die ihnen Unheil bringen. Das sie damit, dass sie ihre Rechnungen einfach nicht bezahlen und nicht mal auf Lösungsvorschläge reagieren, zum Teil eine Existenz ruinieren – das sehen sie natürlich nicht. Für die Gläubiger… Nun, wenn alles gut läuft und das Geld geholt wird, dann hat man eben das gemacht, wofür man auch bezahlt wird. Mal ein „Danke“? Selten. Ist man für einen Gläubiger tätig in einer Sache, die einfach wirklich aussichtslos ist (einem nackten Mann kann man einfach nicht in die Tasche greifen), dann darf man sich dafür hin und wieder noch das Gemecker über diesen blöden Rechtsstaat anhören und bekommt zum Teil (wenn auch eher selten) den Vorwurf zu hören, schlechte Arbeit zu machen. Das alles sind Dinge, die nicht gerade zur Motivation beitragen. Alle paar Monate kommt dann schon mal die Frage auf; „wofür mache ich den ganzen Scheiss eigentlich?“. 

Dann gibt es aber auch Situationen, in denen man der 75-jährigen Omi, bei einem Problem, das ihr schlaflose Nächte bereitet hat, schnell und gut helfen kann und die dann nochmal mit einer Tafel Schokolade oder einem selbst gebackenem Kuchen als Dankeschön vor der Tür steht. Oder es gibt Momente, in denen man der noch nicht lange bestehenden Firma, das ausstehende Honorar für einen ihrer ersten großen Aufträge reingeholt hat und die Firma damit davor bewahren konnte, ihr Unternehmen nach ein paar Monaten direkt wieder abmelden zu müssen. In diesen Momenten beantwortet sich dann die Frage, wofür ich diesen ganzen Scheiss eigentlich mache. Ich mache ihn, um Menschen zu helfen!

Viele Leute meinen immer, beim Inkasso steht auf der einen Seite der Mensch (Schuldner) und auf der anderen Seite das böse, geldgeile Unternehmen (Gläubiger). Nein, so ist es nicht! Auf beiden Seiten stehen Menschen! Auch ein Unternehmen besteht aus Menschen. Wenn dort mal ein Kunde nicht zahlt, mag das verschmerzbar sein, wenn aber jeder zweite Kunde nicht zahlt, dann wird dieses Unternehmen zerstört. Dadurch könnten teilweise viele Menschen ihre Arbeit verlieren. Das wird häufig übersehen.


Ja, ich liebe meinen Job!

 

Um die Frage, wie es mir mit meinem Job geht, zu beantworten; es geht mir gut damit. Ich liebe meinen Job. Ich mag es Menschen zu helfen. Und ich mag es, meinen Teil dazu beizutragen, dass sich Menschen an Regeln halten. Wenn ich mal ein Tief habe, führe ich mir das immer wieder vor Augen. Manchmal dauert es dann zwar ein paar Wochen, bis ich das wieder verinnerlicht habe, aber es klappt dennoch immer wieder.


Morgen ist die Blogparade bei Heike zu Gast. Schaut doch auch bei ihr mal rein.

 

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